Es war ein trüber Morgen. Die Wolken hingen so tief, dass mein Kopf in ihnen verschwand. An solchen Morgen schlüpfe ich in meine Wohnhose mit dem großen Ketchup-Fleck auf der rechten Pobacke, ziehe mir die Kapuze meines Sweatshirts über den Kopf und tue so, als gäbe es diesen Tag nicht.
An diesem Morgen fiel mein Blick auf eine Schlagzeile: „Radlader überfährt Fahrradfahrer und stirbt“.
Ach, wie tragisch, schießt es mir durch den Kopf. Der arme Radlader … stirbt bei einem Verkehrsunfall. Ich stellte mir das so vor: Der Radlader – wahrscheinlich noch ein ganz junger – fährt auf die Kreuzung zu. Die Straßen sind so leer wie mein Portemonnaie in der Monatsmitte. Also fährt der Radlader. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts – frisch einem Wurmloch entschlüpft – ein Fahrradfahrer vor ihm auf. Bevor der Radlader bremsen kann, überrollt er den Drahteseltreter, der dank Helm nur ein paar Schürfwunden erleidet, und bekommt einen Herzinfarkt – also der Radlader.
Ich las weiter. „Volltrunken landet Bierflasche im Auge“.
Ja, die Zeiten ändern sich. Früher landeten wir auf dem Weg zum nächsten mit dem Fahrrad im Graben. Heute sind selbst die Bierflaschen besoffen. Die Welt ist so schlecht geworden. Ich wurde traurig. Meine Gedanken waren jetzt noch trüber als der Himmel draußen vor meinem Fenster. Ich beschloss, wieder ins Bett zu gehen. Wenn auf unseren Straßen schon unschuldige Radlader sterben und Bierflaschen betrunken im Auge landen, ist es in meiner Wohnung auch nicht mehr sicher. Gute Nacht.