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Ich habe eine Familie. Ich liebe sie – wirklich. Mit der ganzen Kraft meines Herzens. Aber … ja, es gibt immer ein Aber … ich hasse Familienfeiern. Unsere Familienfeiern nenne ich auch die Zusammenkunft der apokalyptischen Reiter. Nur die Stärksten überleben – zumindest verbal.

Bereits an der Haustür werden die Schwerter gekreuzt, erste Skalpe gehäutet und Veilchen verteilt. Und damit meine ich nicht etwa die Blumen. Bereits mit Vier hätte ich locker gegen Mohamed Ali gewonnen, aber der hatte keine Zeit.

Jedenfalls erwartete einen immer ein stetiges Rauschen. Während Oma Hertha heftig mit Opa Heinrich knutschte, ließ Herr Friedrich dezent seine Hand fummelnd unter diversen Röcken verschwinden, die so viele Falten hatten, dass selbst ein 150-Jähriger wie ein Neugeborener aussah. Niemand wusste, woher Herr Friedrich kam. Aber er saß selbst dann noch da, als er schon tot war. Zumindest wurde uns das so übertragen.

Wer die Begrüßung überlebte, durfte feiern. Allein unter Wölfen oder der „Kreis der Kaputten“. Kindergeschrei ging über in ein harmonisches Intermezzo mit dem kautabakrotzenden Geräusch der Älteren, malerisch untermalt von Worten aus dem Schlund der Hölle.

„Hör off zu fensen. Sonst kommst du zu den Kellerschweinen.“

Ja, als Kind hast du um dein Überleben gekämpft. Vielleicht wollte ich deshalb Rambo werden.

Später am Abend wurde es immer lustig. Oma Hertha tanzte mit nacktem Oberkörper auf dem Tisch, während Herr Friedrich wild seinen Hintern schwang.

Das hat Spuren hinterlassen. Noch immer trage ich Box-Handschuhe, wenn Familienfeiern anstehen. Dabei kämpfen wir heute mit Laserschwertern.