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Meine Mutter ist eine versierte Autofahrerin – nachts um halb Zwei im 200-Seelen-Dorf drei Kilometer von hier. Immer, wenn ich sie als Beifahrer begleite, erweitert sich mein Wortschatz drastisch um eindrucksvolle Begriffe der Fäkalsprache. Dann ist nicht nur das Wetter das Thema, auch die Fahrkünste der anderen stehen auf dem kritischen Prüfstand.

„Hast du dieses Spatzenhirn gesehen? Fährt der einfach los und nimmt mir die Vorfahrt.“, wettert die zierliche Frau von der Größe einer 13-Jährigen los.

In solchen Momenten schweige ich und nicke weise mit dem Kopf. Meine Worte würden ungehört im Universum verhallen, spurlos verschwinden zwischen Schwarzem Loch und Riesenzwerg.

„Spinnt der?“, wütend zeigt sie dem vor uns Fahrenden einen Vogel. Während sie wütend mit dem Temperament eines heißblütigen Italieners mit ihren Händen wild vor meinem Gesicht fuchtelt, strecke ich flehend meine Hände gen Himmel und hoffe, dass niemand ihre Geste gesehen hat.

Wenn sie sich dann der Kreuzung im Tempo einer Schnecke im Winterschlaf nähert und gemächlich das Auto um die Kurve dreht, neige ich das Haupt, sodass sich mein blondes Haar einem Engel gleich vor mein Antlitz legt – nur, dass in mir der Teufel tobt, gepaart mit einer Mischung aus Wahnsinn und Hoffnung. Drei Rosenkränze später und dem Versprechen, auf ewig fromm zu leben, nähern wir uns ihrem Parkplatz. Hier lernte ich Geduld.

Andere parken in drei Zügen, meine Mutter in zwanzig. Vorsichtig lenkt sie das Fahrzeug in die richtige Richtung. Während ich zusehe, wie eine Schnirckelschnecke an uns vorbeizieht, drängt sich der Parkkommentator in mein Hirn.

„Nur weil der Idiot neben mir nicht parken kann, muss ich hier ständig zirkeln. Schau dir mal an, wie der hier steht.“

Nun, gerade wie mit einem Lineal gezogen, aber das denke ich nur und sage „hm“. Inzwischen stehen leichte Schweißperlen auf meiner Stirn, denn nicht nur mein Blutdruck steigt, auch die Temperatur im Fahrzeug erreicht die Werte eines australischen Hochsommers.

So geht es zehn Minuten lang. Ab und zu fallen mir die Augen zu und wirre Träume schießen durch mein Hirn: meine Mutter im Schnellparkmodus, meine Mutter als Profi-Fahrer, ich in meinem Bett.

Spätestens dann, wenn mein Kopf mit einem Ruck nach vorne schießt, lande ich in der Wirklichkeit – ich im Auto, schweißüberströmt, der Verzweiflung nahe.

Irgendwann steht das Auto und meine Mutter strahlt mich an: „Siehst du. Perfekt eingeparkt – in drei Zügen.“

Ich hingegen schwanke erschöpft aus dem Fahrzeug, den Tränen nah – aber daheim. Endlich.