Ich bin gelenkig wie eine Brechstange. Wo andere eine Kniebeuge machen, stehe ich wie ein Stockfisch im Regen und warte darauf, dass sich mein Hintern dorthin bewegt, wo er sein sollte – nämlich unten. Achtung! Spoileralarm: Ich warte noch immer.
Pünktlich mit den Wechseljahren begannen meine Muskeln zu streiken. Sie schmerzen, sie schwächeln, sie verspannen. Als verantwortungsbewusste Frau versuche ich, das Altern aufzuschieben. In Instagram wurde ich fündig. Nette, gutaussehende Frauen und athletische Männer zeigen mir, wie ich meinen Körper stählen, meine Muskeln dehnen und meine Gelenke in Winkel verbiegen kann, die selbst die Geometrie nicht kennt.
Mit dem Elan einer 20-Jährigen schnappe ich mir meine Yoga-Matte und werfe meinen Körper in Birnenform auf ebenjene. In einer leisen Vorahnung schleicht sich Luna davon, um mir aus sicherer Entfernung ab und zu einen misstrauischen Blick zuzuwerfen.
Jedenfalls sitze ich auf der Matte und versuche so elegant wie die Frau mit dem Körper einer Göttin mein linkes Bein hinter mein rechtes Ohr zu stecken. Egal, was ich auch mache: Es knackt, es knirscht, es schmerzt … und irgendwann klemmt es. Verflucht noch mal!
„Butzi, sag mal, was treibst du da eigentlich?“ Ich muss den mir Angetrauten nicht sehen, um zu wissen, dass er grinst.
„Bitte hole mich hier raus. Mein Bein klemmt und mein Ohr hat schon das Aussehen eines Rotarschpavians in Reinform.“ Inzwischen rinnt mir der Schweiß an Stellen herunter, von denen ich nicht mal wusste, dass die schwitzen können. Hochrot und mit einem Blutdruck epischen Ausmaßes stehe ich irgendwann wieder auf meinen Füßen.
„Sehen wir den Tatsachen ins Auge, Tapsbär: Wir sind alt.“
„Ich nicht.“, brummt der mir Angetraute zu. „Ich bin wie ein guter Whiskey. Je mehr ich reife, desto besser werde ich.“