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Wenn Appetit ein neues Synonym bräuchte, wäre das mein Name. Wo andere gemäßigt eine Kartoffel, ein Feld voller Gemüse und ein Hauch von Fleisch konsumieren, schaufele ich die Mahlzeit einer Großfamilie in mich rein. Schon längst hat meine Waage die Koffer gepackt, mir zum Abschied zugewunken und viel Glück gewünscht. Meine Jeans versteckt sich regelmäßig im Schrank, aus Angst aus den Nähten zu platzen und der mir Angetraute drängt mich zum Sport. Irgendwann hatte er mich so weit: Ich meldete mich zum Stepaerobic an. Hätte ich damals gewusst, was da auf mich zukam, wäre ich lieber ins Fitnessstudio gegangen.

Pünktlich zum Kursbeginn stand ich vor der Tür – mit Schweißband, Schlabberhosen und einem Sweatshirt, in das locker zwei Schwarzenegger reingepasst hätten. Um mich herum die junge Cindy Crawford in Reinkarnation. Hautenge Trikots schmiegten sich an elfengleiche Körper, die so fettfrei wie ein Salatkopf waren. Und dann begann mein Verderben, mein persönliches Watergate. Bereits nach zwei Minuten japste ich wie ein gestrandeter Wal mit akuter Atemnot. Schweiß rann mir an Orten herab, von denen ich nicht mal wusste, dass die schwitzen konnten. Mein Gesicht – so rot wie eine Tomate – glänzte wie eine frische Fettschwarte und rief die Trainerin auf den Plan. Besorgt stand sie vor mir – die topgestylte 20-Jährige mit der Haut eines Pfirsichs und dem Körper einer Göttin. Ob ich ok wäre oder einen Arzt bräuchte.

Ich? Iwo. Aber eine Sauerstoffmaske und ein Handtuch wären nett. Ach, und wenn wir schon die Caritas spielen, wäre auch ein Loch toll, in das ich mit meinem 50 Jahre alten Körper verschwinden konnte.

Und wieder hämmerten die Bässe und grazile Körper bogen sich in alle Richtungen – bis auf meinen. Wo andere Koordination besitzen, gibt es bei mir Chaos. Arme und Beine tanzten nach ihrem eigenen Rhythmus. Kurz dachte ich darüber nach, ob ein Nebenjob als Hampelmann lukrativ wäre. Diesen Gedanken verwarf ich gleich. Wahrscheinlich müsste ich noch Geld drauflegen – Schmerzensgeld sozusagen.

Irgendwann war die Stunde vorbei. Klatschnass, mit schmerzenden Muskeln und einem Sauerstoffdefizit knapp am Erstickungstod schleppte ich mich ins Auto und schwor mir, vielleicht doch lieber mit Finger-Yoga zu beginnen.