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Diana Giesen, Autorin, Journalistin, persönliche Essayistin, Chaotin

Das Schöne an Vitas im eigenen Blog ist, dass man sich selbst aussuchen kann, was man über sich schreibt. Natürlich ist die Versuchung groß, Unschönes zu verschweigen und etwas Tolles dazuzudichten. In meinem Fall gibt es gar nicht so viel zu schreiben. Ich habe keinen Nobelpreis bekommen und glänze auch sonst nicht mit weltbewegenden Taten.

Ganz wichtig: Ich bin ein Kind der Lausitz. Obwohl ich nicht mehr dort lebe, hängen mein Herz und meine Seele an dieser Region. Deren Sagen legten den Grundstein für mein Schreiben. Bereits als Kind verschlang ich nachts heimlich unter der Bettdecke die düsteren Geschichten der Region. Ihnen verdanke ich auch meine Brille, aber das steht auf einem anderen Blatt Papier.

Irgendwann verließ ich meine Heimat und ging zum  Studieren. Schlauer wurde ich deswegen nicht, aber auch das ist etwas, was ich lieber dezent verschweige. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich das Studium im neunten Semester abbrach und fortan als alleinerziehende Mutter eines Sohnes durchs Leben wandelte. (Ja, das Leben nimmt manchmal Umwege.)

Ich wurde Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch und Französisch. Berufsbegleitend absolvierte ich später ein Studium des Journalismus und zum PR-Manager. In dieser Zeit arbeitete ich im Lokaljournalismus und verfasste ein Kinderbuch, das 2008 als ebook über den Pepperbook-Verlag veröffentlicht wurde. Nun, es war nicht „Harry Potter“, aber immerhin mein Werk.

Und dann begann meine Suche – die Suche nach meiner literarischen Identität. Mein Credo lautete schon immer: Das Leben ist zu kurz für all die Dinge, die ich wissen und machen möchte. Das spiegelt sich auch in meiner literarischen Arbeit wider. Fröhlich springe ich zwischen Kürzestprosa, literarischen Kolumnen, journalistischen Kolumnen und vielfältigen Themen hin und her. Keine Schublade passte und das hemmte meine Arbeit. Wer bin ich, wenn ich nicht weiß, wohin ich gehöre? Irgendwann fand ich die Antwort: Ich bin eine persönliche Essayistin – eine Tradition, die von Montaigne über Virginia Woolf bis zu Joan Didion und Siri Hustvedt reicht. Im Deutschen ist Ingeborg Bachmann diese Figur, oder früher Robert Musil. Ich schreibe über das Leben, wie es sich anfühlt: komisch, absurd, verletzlich, dunkel, manchmal alles auf einmal. Ich arbeite autofiktional, aber nicht nur als Kolumnistin. Ich beobachte, aber nicht nur mit Humor. Ich reflektiere, aber nicht akademisch.

Meine literarische Tradition  ist nicht Kolumne, nicht Essay, nicht Kurzprosa – sondern das Schreiben als Denkform. Ich schreibe, um zu verstehen. Nicht um zu unterhalten, nicht um zu informieren, nicht um zu beweisen. Ich schreibe, weil das die Art ist, wie ich die Welt verarbeite.

Mal sind meine Texte nachdenklich, mal traurig, mal etwas verrückt und manchmal lustig. Ich weiß nicht, wohin diese Reise geht. Ich hoffe einfach, dass du genauso viel Spaß beim Lesen hast wie ich beim Schreiben.